Gegen Internetpiraterie: Arbeitsgruppe soll Urheberrecht überarbeiten

Nachdem der Bundesart Ende 2011 verlauten liess, er sehe keinen Handlungsbedarf beim Urheberrecht, ging ein Aufschrei durch die Schweizer Musikszene. Seither machen Musiker, Plattefirmen und die Filmindustrie mobil. Nun offenbar mit Erfolg. Justizministerin Simonetta Sommaruga hat am Freitag bekanntgegeben, dass Sie eine Arbeitsgruppe eingesetzt hat. Diese soll bis Ende 2013 Lösungen erarbeiten, welche die Produzenten besser schützt und gleichzeitig die Privatsphäre der Internetuser schützt.

Ein Dorn im Auge ist den Musikern und Produzenten vor allem, dass es in der Schweiz nach wie vor legal ist, Inhalte für den Privatgebrauch herunterzuladen. Lediglich das verbreiten (also hochladen) von urheberrechtlich geschütztem Material steht in der Schweiz unter Strafe. Dies nachzuweisen, ist allerdings aufgrund anderer Gesetze sehr schwierig.

Versäumnisse und Missverständnisse
Längst hat sich vor allem bei den Jungen der Gratis-Download durchgestzt - begünstigt durch eine Industrie, welche die Entwicklung jahrelang verschlafen hat. Lange war der Gratis-Download schlicht einfacher, schneller und unkomplizierter als das bezahlte Herunterladen. So liessen sich die bezahlten Songs zum Beispiel nicht in das gängige MP3-Format umwandeln oder nur auf bestimmten Geräten abspielen. Dies hat sich in den letzten Jahren zwar alles geändert - aber längst hat sich eine nicht zu vernachlässigende Konsumentengruppe daran gewöhnt, die Songs eben gratis herunterzuladen.
Die gleichen Fehler macht nun die Filmindustrie. Oftmals sind Filme, welche auf DVD verfügbar sind, nicht als On-Demand Angebote verfügbar (z.B. weil sie in dieser Zeit auf Bezahlsender ausgestrahlt werden). Rund ein Drittel der Schweizer schaut Filme auch lieber in der Originalsprache mit Untertitel. Für diese Klientel gibt es nach wie vor überhaupt kein On-Demand Angebot. Die Inhaltsanbieter würden gut daran tun, auf die Kundenwünsche einzugehen und Geschäftsmodele aus dem 20. Jahrhundert zu überdenken.

Und trotzdem: So kann es natürlich für die Musiker und Filmer nicht weitergehen. Es ist in diesem Umfeld längerfristig schlicht nicht attraktiv, als Musiker oder Filmemacher zu arbeiten. Ein überarbeitetes Urheberrecht ist sicher ein Schritt dazu. Zu hoffen ist, dass die Diskussion um dieses, die Probleme des Gratis-Downloades vor Augen führt und zu einem Umdenken bei Konsumenten - aber auch den Produzenten führt. In dieser Diskussion tun die Urheber auch gut daran, zum Beispiel die Leerdatenträger-Vergütung zu überdenken. Gut möglich, dass diese mehr Schaden als Nutzen bringt. Konsumenten führen tatäschlich bei jeder deratigen Diskussion an, ja bereits beim Kauf des Abspielgerätes für die Urheberrechte der darauf gespeicherten Gratis-Downloads bezahlt zu haben. Aus diesem Grund wurde die Gebühr ja erhoben - wer allerdings die Höhe der Gebühr ansieht, merkt schnell, dass diese allenfalls zwei gratis heruntergeladene Songs abdeckt - und nicht die Musiksammlung mit 5000 Songs.

Arbeitsgruppe mit Musikern, Produzenten und Konsumentenvertreter
Die von Simonetta Sommaruga eingesetzte Arbeitsgruppe soll nun einen Weg finden, die verschiedenen Bedürfnisse abzudecken. Einerseits soll nicht eine ganze Generation kriminalisiert werden, andererseits soll sich Musik und Film auch wieder lohnen für die Urheber. Die Arbeitsgruppe besteht denn auch aus Vertretern verschiedener Interessengruppen: Kulturschaffende, Produzenten und Komsumenten. Geleitet wird die Arbeitsgruppe vom Direktor des Eidgenössischen Instituts für Geistiges Eigentum, Roland Grossenbacher.

Audiofiles

  1. Vernetzt: Internetpiraterie. Audio: Andy Wolf

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