Vernetzt: 20 Jahre MP3

Das Musikformat, welches die Musikindustrie umkrempelte

20 Jahre alt ist das Musikformat mp3. Es hat die Songs überhaupt erst auf das Smartphone gebracht.

Jürgen Zeller vom Frauenhofer Institut für integrierte Schaltungen in Erlangen hat bei den Kollegen eine Umfrage gestartet. Diese haben entschieden: Die Dateiendung für den ISO MPEG Audio Layer 3 soll .mp3 sein. Dieser Ansicht war die überwältigende Mehrheit der Befragten. Das war im Juli 1995 - und Jürgen Zeller teilte das Ergebnis am 14. Juli 1995 mit.

Damit war eine Erfolgsgeschichte geboren. mp3 verringerte den benötigten Speicherplatz um Audiodateien zu speichern um Faktor 11 (128 kBit/s statt 1411 kBit/s). Damit belegte ein ganzes Album gleich viel Platz wie ein Song auf einer Audio-CD. Und Speicherplatz war teuer vor 20 Jahren. Ein heute in jedem durchschnittlichen Smartphone üblicher Flash-Speicher von 32 GB kostete 1995 noch rund 1 Million Franken (ganz abgesehen davon, dass er nicht sehr portabel war). Es war auch eine Zeit, da war eine 64 kBit/s Leitung ins Internet bereits ziemlich luxeriös. MP3 eröffnete da völlig neue Möglichkeiten: Auf eine CD passten plötzlich hunderte Songs und auch über FTP liess sich in einigen Minuten ein Song tauschen.

Ab 1997 konnte Windows MP3-Dateien abspielen. Selber MP3 Dateien mit hohen Bitraten herzustellen war allerdings der Musikindustrie vorbehalten. Diese sollten sich bei Frauenhofer für teures Geld den nötigen Encoder kaufen. Diesen Plan durchkreuzte ein australischer Student. Dieser besorgte sich mit einer gestohlenen Kreditkarte den Encoder von Frauenhofer, veränderte die Software und verteilte sie gratis über das Internet. Nun konnte jeder CDs in mp3s verwandeln.

Noch war die Musikindustrie allerdings einigermassen Herr der Lage. Das änderte sich erst 1999, als mit Napster eine auf den Tausch von mp3 spezialisierte Tauschbörse entstand. Zwar wurde diese und alle ähnlichen Portale (Kazaa, Audiogalaxy etc.) nach einiger Zeit mit einer Armada von Anwälten bekämpft, allerdings entstanden bis heute laufend neue Angebote, um gratis Musik und Filme zu tauschen. Schlussendlich erwies sich der Weg, eigene legale Angebote zu schaffen erfolgsversprechender. Mit iTunes konnte zumindest ein Teil der User in ein Bezahlangebot geführt werden. Mit Spotify und Apple Music stehen heute legale Angebote bereit, welche bezüglich Benutzerfreundlichkeit und Angebot jede Tauschbörse alt aussehen lassen. Die Wertschöpfung, welche CDs für 30 Franken abwarfen, werden sie allerdings niemals zurückbringen können. Und so wird es vorderhand so bleiben, dass der Hauptanteil der Musikereinkommen über Konzerte und Sponsoring erwirtschaftet werden muss. Der eigentliche Verkauf der Musik trägt vor allem bei lokalen Künstlern nur sehr bedingt zum Einkommen bei. Allerdings hat mp3 auch dazu beigetragen, dass heute jeder seine Songs veröffentlichen kann. Das war vorher nur Künstlern und Bands vorbehalten, welche Gnade in Form eines Plattenvertrages bei einem Label ergattern konnten.

So langsam hat das Format übrigens seinen Dienst getan. Die modernen Streamingportale setzen wie das Digitalradio DAB+ auf AAC als komprimierten Transportkanal für Audiodateien.

Weitere Informationen: Die MP3 Geschichte

Audiofiles

  1. Vernetzt: 20 Jahre MP3. Audio: Boris Macek

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