Offener Brief ans Luzerner Stadtparlament

Wirtschaftsverbände verlangen von der Politik sachliche Auseinandersetzung mit dem Projekt Parkhaus Musegg

Franz Stalder von der City-Vereinigung Luzern, Patric Graber von Hotels Luzern, Alexander Gonzalez vom Wirtschaftsverband der Stadt Luzern und Ferdinand Zehnder von Luzern Tourismus werfen schicken den offenen Brief ans Luzerner Stadtparlament ab Die Einfahrt ins Parkhaus Musegg: Beim Restaurant Reussbad ginge es unter den Musegg-Hügel. (Visualisierung) Der Ausgang beim Falkenplatz in der Altstadt Luzern: Hier würden die Besucher das Parkhaus Musegg zu Fuss verlassen. Soll durch nach dem geplanten Bau des Parkhauses Musegg aufgewertet werden: Der Schwanenplatz in der Stadt Luzern.

Die Zusammenarbeit zwischen der Stadt Luzern und den Initianten des Projekts Parkhaus Musegg soll nicht vorzeitig abgebrochen werden. Das fordern verschiedene Wirtschaftsverbände der Stadt Luzern in einem offenen Brief an das Stadtparlament. Derweil droht die CVP mit der Lancierung einer Volksabstimmung.

Vier Wirtschaftsverbände der Stadt Luzern haben einen offenen Brief an die Mitglieder des Luzerner Stadtparlamentes verfasst. Den offenen Brief haben sie am Dienstagnachmittag am Schwanenplatz im Beisein der Medien abgeschickt. Damit wollen sich die Wirtschaftsverbände laut eigenen Angaben in die laufende Diskussion zum Planungsprozess des Parkhauses Musegg einschalten.

Das Projekt für ein privates Parkhaus im Musegghügel gibt schon länger zu Reden. Es soll dereinst die Innenstadt vom Auto- und Carverkehr entlasten. Seit vergangenem Winter unterstützt die Stadt Luzern die privaten Initianten bei der Planung (Radio Pilatus berichtete). Geht es nach der Ratslinke im Luzerner Stadtparlament, soll diese Zusammenarbeit nun aber sofort beendet werden. Die SP, Grüne und Grünliberalen hatten vergangene Woche den Abbruch der Zusammenarbeit zwischen der Stadt Luzern und den Initianten des Parkhauses Musegg gefordert (Radio Pilatus berichtete). Am Donnerstag kommt der Vorstoss vors Luzerner Stadtparlament. Begründet wird der Vorstoss durch drohenden Mehrverkehr, Risiken beim Bau und finanzielle Risiken im Falle eines Scheitern des Projektes.

Der Wirtschaftsverband der Stadt Luzern, die Luzerner Hotels, die City-Vereinigung Luzern und Luzern Tourismus wollen aber nicht, dass die gemeinsame Planung frühzeitig abgebrochen wird. Man sehe das Projekt Parkhaus Musegg als prüfenswert und als Chance für eine notwendige Entwicklung im Zentrum der Stadt Luzern, so die vier Verbände, In ihrem offenen Brief an das Luzerner Stadtparlament heben sie drei Punkte hervor:

  • Für die Touristenstadt sei es essentiell, Reisebussen langfristig eine zentrumsnahe Zufahrt zur Altstadt zu bieten.
  • Die gute Erreichbarkeit auch mit dem Auto sei für eine erfolgreiche Zukunft der ansässigen Unternehmen in Handel, Dienstleistungen und Gastronomie überlebenswichtig.
  • Vor dem Hintergrund des ständig steigenden Wettbewerbdrucks durch bestehende und neue Einkaufszentren in der Umgebung der Stadt Luzern und dem wachsenden Internethandel müsse die örtliche Politik für Rahmenbedingungen und Infrastrukturen sorgen, welche lokale Arbeitsplätze und wirtschaftliche Vitalität langfristig sichern.

Für eine attraktive Innenstadt brauche es konkrete Lösungen. Ein Beispiel dafür sei das Parkhaus Musegg. Dieses würde laut den Verbänden den Schwanenplatz vom Carverkehr befreien und die Parkierung für Reisebusse sowie Autos zentral und unterirdisch lösen. «Das ermöglicht es, Luzerns Erreichbarkeit zu sichern, ohne den Gruppentourismus zur vergraulen oder den motorisierten Individualverkehr weiter einzuschränken», so die Wirtschaftsverbände in dem offenen Brief.

Wenn dafür weiterer Stadtraum für die ganze Bevölkerung aufgewertet werden könne, sei das zu begrüssen. «Ein gutes Beispiel für die positive Kraft solcher Massnahmen ist der heute autofreie Mühleplatz.» Man verfolge die Stadtentwicklung in Luzern eng, betonen die vier Verbände im Schreiben. «Wir wollen eingebunden sein. Dafür richten wir den Blick gerne auch nach aussen. Städte wie Salzburg, Kopenhagen oder Amsterdam zeigen heute schon, dass die legitimen Verkehrsbedürfnisse des Gewerbes sehr gut mit einfachen Mitteln zu erfüllen sind.

CVP Stadt Luzern plant Volksinitiative zum Parkhaus Musegg

Auch die CVP Stadt Luzern wehrt sich gegen den Abbruch der Planungsarbeiten für das Parkhaus Musegg, wie ihn die Linke im Stadtrat mit einem dringlichen Postulat fordert. Man könne für oder gegen das Parking Musegg sein. Das sei ein demokratisches Recht, schreibt die CVP Stadt Luzern in einer am Dienstagvormittag verschickten Mitteilung. Aber die bereits weit fortgeschrittene Planung in letzter Minute abzuwürgen, sei problematisch. Damit würde die Stadtpolitik zu einer unberechenbaren Partnerin. Und das sei «ein falsches Signal gegenüber all denjenigen, die sich ausserhalb der Politik und mit privatem Engagement für gute und neue Lösungen in der Stadt Luzern einsetzen», so die CVP weiter. Die Stadtluzerner Politik müsse auch in Zukunft ein zuverlässig sein.

Die CVP Stadt Luzern fordert deshalb, dass die Stadtbevölkerung über die weitere Planung des Parkhauses Musegg entscheiden kann. Man werde eine Volksinitiative lancieren, falls das Luzerner Stadtparlament in seiner Sitzung vom Donnerstag das dringliche Postulat zum Abbruch der Planung überweist.

Das geplante Parkhaus im Musegghügel sieht Parkplätze für rund 700 Autos und 36 Reisecars vor. Die Initianten rechnen mit Kosten von 150 Millionen Franken. Bis im vergangenen Sommer hat die Stadt Luzern nach eigenen Angaben rund 150'000 Franken für das Projekt ausgegeben (Radio Pilatus berichtete).

Audiofiles

  1. Offener Brief an das Luzerner Stadtparlament: Verschiedene Wirtschaftsverbände machen sich für das Parkhaus Musegg stark. Audio: David von Moos

Kommentieren

comments powered by Disqus