Hilfsbereitschaft verlängert Leben

Soziale Kontakte wirken sich positiv auf die Gesundheit aus

Eine Grossmutter mit ihren Enkelkindern (Symbolbild)

Hilfsbereite Menschen leben länger. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Universität Basel. Als Patentrezept für ein längeres Leben gelte Fürsorge aber nicht. Es kommt auf das Mass an.

Hilfsbereitschaft zahlt sich aus: Wer sich im Alter um andere Menschen kümmert, zum Beispiel um Enkelkinder, lebt durchschnittlich einige Jahre länger. So lautet die zentrale Aussage der Forscher. Sich um andere zu kümmern könne sich positiv auf die Lebenszeit auswirken, berichten die Forschenden um Doktorandin Sonja Hilbrand von der Uni Basel mit australischen und deutschen Kollegen im Fachblatt "Evolution and Human Behaviour". Verglichen wurden Daten von 500 älteren Menschen. Dabei unterschieden sie Grosseltern, die sich um ihre Enkelkinder kümmerten, und solche, die dies nicht taten. Ausserdem verglichen sie ältere Menschen ohne Enkel, die andere in ihrem Umfeld emotional unterstützten, und solche, die sich nicht auf diese Weise engagierten.

Einige Lebensjahre mehr

Von den Studienteilnehmern, die sich um Enkel kümmerten oder ihre Kinder beispielsweise im Haushalt unterstützten, lebte rund zehn Jahre nach der ersten Befragung 1990 noch etwa die Hälfte. Bei denen, die sich nicht um andere kümmerten, war bereits nach fünf Jahren rund die Hälfte gestorben. Auch das Engagement für Mitmenschen ausserhalb der Familie zahlt sich laut den Forschern aus: Unter den kinderlosen Studienteilnehmern lebten diejenigen, die andere emotional unterstützten, im Schnitt drei Jahre länger als diejenigen, die sich nicht auf diese Weise engagierten. Von letzteren war die Hälfte bereits vier Jahre nach dem ersten Interview gestorben.

Zu viel kann Stress verursachen

"Jedoch sollte man das Sorgen für andere nicht als Patentrezept für ein längeres Leben verstehen", so Studienleiter Ralph Hertwig vom
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin in der gemeinsamen Medienmitteilung des Instituts und der Uni Basel. Es gelte, ein gesundes Mass zu halten: Zu viel Engagement könne laut früheren Studien auch zu Stress führen, der sich negativ auf die physische und psychische Gesundheit auswirke. Intensive Pflegeaufgaben seien deshalb bewusst nicht in die Studie miteinbezogen worden.

Nicht nur soziale Kontakte

Aus früheren Studien war bereits bekannt, dass sich soziale Kontakte positiv auf die Gesundheit auswirken. Der Effekt des "Sich-Kümmerns" scheint darüber jedoch hinauszugehen. "Wir haben diesen Faktor in unserer Analyse berücksichtigt, aber die kürzere Lebenszeit bei denen, die sich nicht um andere kümmern, lässt sich nicht mit allgemein weniger sozialen Kontakten erklären", sagte Hilbrand im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.

Audiofiles

  1. Hilfsbereitschaft verlängert Leben. Audio: Franziska Boser

Kommentieren

comments powered by Disqus