Spitalliste: Kanton Luzern krebst zurück

Mandeloperation soll bis auf weiteres nicht vermehrt ambulant durchgeführt werden

Hybrid-OP in der Hirslandenklinik

Der Kanton Luzern will bei den Gesundheitskosten sparen und Patienten kurz nach Spitaleingriffen wieder nach Hause schicken. Nach der heftigen Kritik von Spezialisten will der Kanton jetzt in einem heiklen Punkt zuwarten.

Im Kanton Luzern muss ab dem 1. Juli ein Dutzend Operationen grundsätzlich ambulant durchgeführt werden. An stationäre Eingriffe zahlt der Kanton seine Kostenbeteiligung nur noch, wenn diese medizinisch begründet sind. Der Kanton hofft, damit jährlich rund drei Millionen Franken einzusparen.

Kanton reagiert auf Kritik

Im Januar hatte der Kanton bekannt gegeben, welche Spitalbehandlungen im Normalfall ambulant durchzuführen sind. Diese Liste umfasst 13 Eingriffe. Einer davon - die operative Entfernung der Mandeln - ist wegen möglichen Nachblutungen besonders umstritten. Nach heftiger Kritik von Seiten der Ärzte und Spitäler will der Kanton Luzern diesen Eingriff noch nicht vermehrt ambulant durchführen lassen. Das teilte Gesundheitsdirektor Guido Graf am Mittwoch an einer Medienkonferenz mit.

Umgesetzt wird das Prinzip "ambulant vor stationär" ab Juli 2017 damit bei folgenden Eingriffen: Herzkatheteruntersuchung, Karpaltunneloperation, grauer Star, Herzschrittmacher, Krampfadern, Eingriffe an Blutgefässen, Hämorrhoiden, Leistenbruch, Eingriffe am Gebärmutterhals, Kniespiegelung, Kniemeniskus und Nierensteinzertrümmerung.

Auf Nummer sichergehen

Man sei nicht grundsätzlich gegen ambulante Eingriffe, sagte Aldo Kramis, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Luzern, an der Medienorientierung. Ambulante Eingriffe sollten aber nur vorgenommen werden, wenn die Bedingungen dafür stimmen würden.

Dazu müsse vor jedem ambulanten Eingriff geprüft werden, ob der Patient nach dem Eingriff aus dem Spital entlassen werden könne. Dabei würden etwa das Alter des Patienten, Mehrfacherkrankungen oder die Schmerzen eine Rolle spielen. Kramis kritisierte auch das Tarifsystem, das für die Ärzte ambulante Eingriffe unattraktiv mache. Man solle bei ambulanten Eingriffen schliesslich nicht draufzahlen müssen.

Weitere Abklärungen nötig

Obwohl der Kanton Luzern bei der Gaumenmandeloperation den Grundsatz "ambulant vor stationär" vorerst nicht durchsetzen will, bleibt der Eingriff auf der umstrittenen Liste. In anderen Kantonen etwa in der Westschweiz würde dieser Eingriff schliesslich häufig ambulant vorgenommen, begründete der Kanton sein Abwarten. Gemäss der Luzerner Ärztegesellschaft ist so ein Vergleich aber heikel. Es sollen nun mit Fachärzten weitere Gespräche geführt werden.

Der Kanton Luzern will mit seiner Spitalliste und dem Prinzip "ambulant vor stationär" landesweit eine Vorreiterrolle einnehmen. Dazu arbeite man eng mit dem Bund und anderen kantonalen Gesundheitsdirektionen zusammen.

Audiofiles

  1. Spitalliste: Nach heftiger Kritik von Spezialisten will der Kanton jetzt in einem heiklen Punkt zuwarten. Audio: David von Moos

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