Wie das Glacé die Welt entzückte

Das Eis, das Schleckmäuler zum Schmelzen bringt

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Glacé, Sorbet, Softeis und Glacéstängeli – die Süssspeise ist rund um die Welt in allen Variationen beliebt. Die eiskalte Erfrischung hat eine lange Reise hinter sich, die bis in die Antike zurückgeht.

Der Online-Enzyklopädie Wikipedia zufolge besteht die klassische Süssspeise aus Zutaten wie «Wasser, Milch, Sahne und eventuell Eigelb, verrührt mit Zucker und verschiedenen geschmacksgebenden Zutaten wie Fruchtmus, Vanille, Schokolade und heutzutage häufig Lebensmittelzusatzstoffen wie beispielsweise Stärkesirup als Verdickungsmittel, die meist unter Aufschlagen oder Rühren zu einer Creme gefroren werden».

Was heute so selbstverständlich klingt, hat eine lange Geschichte. Vorläufer des heutigen Glacés ist das Sorbet. So lautet die Bezeichnung für ein halb gefrorenes Getränk oder eine halb gefrorene Speise aus Fruchtsaft, Fruchtpüree und Zucker. Ursprünglich wurde es nur zu speziellen festlichen Anlässen serviert.

Kaiser, Eroberer und Entdecker

Das erste Speiseeis soll es schon im antiken China gegeben haben. Auch in der europäischen Antike war die kalte Süssspeise in der vermögenden Oberschicht ein Begriff. Die römischen Kaiser liessen sich durch Schnellläufer Schnee und Eis von den Apenninen zur Herstellung bringen, der indische Kaiser Ashoka aus dem Himalaya.

Mit dem Untergang des Römischen Reiches ging das Wissen über die Zubereitung eisgekühlter Speisen und Getränke verloren. Im Mittelalter brachten dann Kreuzfahrer das Rezept für Sorbet aus dem Nahen Osten wieder nach Europa.

Ende des 13. Jahrhunderts beschrieb der Entdecker Marco Polo die Herstellung einer Kältemischung aus Schnee oder Wasser und Salpeter, die er in China kennengelernt hatte. In der Folge wurde Speiseeis aus Wasser und Fruchtsaft oder Fruchtmus als «Granita» zu einer italienischen Spezialität. Im 16. Jahrhundert soll Katharina von Medici diese nach Paris mitgebracht haben.

Nach und nach boten Cafés in Italien und Frankreich Speiseeis an. Um 1700 wurde Speiseeis auch in anderen europäischen Kaffeehäusern bekannt. Im 18. Jahrhundert wurde Glacé in Frankreich dann auch auf der Strasse verkauft. Am Boulevard des Italiens eröffnete ein Neapolitaner das erste richtige Eiscafé. Die erste bekannte Gelateria in den späteren USA gab es 1770 in New York.

Glacéstängeli aus Zufall

Das erste Eis am Stiel wurde 1923 vom US-amerikanischen Limonadenhersteller Frank Epperson patentiert. Erfunden hatte er den Glacéstengel nach eigenen Angaben aber bereits zufällig im Jahr 1905, als er ein Glas Limonade mit Löffel versehentlich im Freien stehen ließ – und die Limonade über Nacht zu Wassereis gefror.

Auch die Erfindung des Softeises soll auf einen Zufall zurückgehen. Der Amerikaner Tom Carvel war ständig auf Achse und verkaufte aus einem Kühllieferwagen Speiseeis. Angeblich kam ihm die Idee 1934, als er nach einer Panne seines Lieferwagens im Bundesstaat New York zwei Tage lang die schmelzende Ladung verkaufte.

Als gesichert gilt hingegen, dass John Fremont McCullough 1938 in Illinois Softeis maschinell hergestellt hat. In einer Softeismaschine kühlt das Speiseeis statt auf die üblichen -18 Grad nur auf -6 Grad Celsius. Ein Rührwerk hält die Glacémasse schön dickflüssig.

Schon bald stellte sich heraus, dass die Kunden weiches Speiseeis mögen. Spätestens ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde Softeis auch ausserhalb der USA beliebt.

Audiofiles

  1. Die Geschichte der Glacé. Audio: David von Moos

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