Fall Rupperswil: Staatsanwältin fordert Höchststrafe

Die Verteidigung plädiert für Verzicht auf Verwahrung

Im Prozess über den Vierfachmord von Rupperswil AG hat die Staatsanwältin am Mittwoch eine lebenslängliche Freiheitsstrafe sowie eine lebenslängliche Verwahrung des 34-jährigen Beschuldigten verlangt. 

Staatsanwältin Barbara Loppacher beantragte die lebenslängliche Verwahrung, auch wenn eine wichtige Voraussetzung dafür nicht gegeben scheint. Das Gesetz verlangt unter anderem, dass zwei psychiatrische Gutachter unabhängig voneinander eine dauerhafte Untherapierbarkeit des Beschuldigten feststellen. Das haben die beiden am Dienstag befragten Experten aber nicht getan.

Beide sahen den 34-jährigen Schweizer als therapiefähig, wenn auch ein Erfolg nicht garantiert sei, und eine Behandlung sicher lange Jahre dauern müsste. Eine dauerhafte Untherapierbarkeit verneinten beide. Ebenso einig waren sie sich darin, dass eine hohe Rückfallgefahr bestehe, wenn nichts unternommen werde.

Gutacher nicht überall gleicher Meinung

Bei der Frage nach psychischen Störungen, die direkt mit den Delikten zusammenhängen, unterschieden sich die Gutachter in mehreren Punkten. Hier hakte Loppacher ein. Eine Therapierbarkeit müsse nur dort vorhanden sein, wo eine solche ursächliche Störung vorliege, argumentierte sie. Die Tötungen als schwerste Delikte könnten nicht auf eine konkrete psychische Störung zurückgeführt werden, die behandelt werden könnte, so Loppacher. Also sei der Beschuldigte nicht therapierbar. Klar angezeigt sei auf jeden Fall eine Verwahrung, allenfalls eine ordentliche. Eine lebenslängliche Freiheitsstrafe allein genüge nicht, sagte die Anklägerin. Die "Wahrscheinlichkeit ist gross", dass er nach 15 Jahren bedingt entlassen würde.

"Vieles in diesem Verfahren macht sprachlos", sagte die Staatsanwältin. Auch nach den Ausführungen der Psychiater und der Befragung des Beschuldigten sei kaum etwas verständlich geworden. Der Beschuldigten sei jemand, der "stets den Eindruck eines anständigen, netten jungen Mannes" mache. "Ein Eindruck, der täuscht" , so die Staatsanwältin. Gerade das verunsichere und erschüttere.

Skrupelloses Vorgehen

Loppacher rekapitulierte den Tathergang. Dabei wies sie auf mehrfache Widersprüche des heute 34-jährigen Schweizers zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen hin. Auch habe er im Laufe der Untersuchung manche Aussagen verändert und abgeschwächt. Irrelevant sei, ob der Beschuldigte aus purer Lust getötet habe, oder um seine Tat zu vertuschen - beides sei skrupellos und damit ein Mordmerkmal.

Die Staatsanwältin wirft dem Beschuldigten neben mehrfachem Mord auch mehrere weitere Delikte vor, darunter Nötigung und Geiselnahme. Die vier Personen hielt er als Geiseln, um jeweils einzelne von ihnen zu bestimmten Dinge zu zwingen.

Zwischenfall in der Mittagspause

Vor dem Gebäude der mobilen Polizei in Schafisheim hatte sich ein Mann auf eine Leiter gestellt und mit einem Megaphon in Richtung Gericht gerufen. Laut 20 Minuten, soll der Mann unter anderem die Steinigung von Thomas N. gefordert haben. Der religiöse Eiferer wurde nach rund 10 Minuten von Polizisten abgeführt. 

Forderungen der Angehörigen

Neben der Staatsanwältin kamen am Mittwoch, 14. März, auch die Anwälte der Hinterbliebenen zu Wort. Sie verlangten Schuldsprüche im Sinne der Anklage sowie hohe Schadenersatz- und Genugtuungszahlungen.Beide Anwälte waren sich allerdings einig: Der Beschuldigte würde das Geld nie aufbringen können. Ihre Klienten würden wohl einen Teil davon von der Opferhilfe erhalten. Der Beschuldigte selbst hatte am Dienstag gesagt, es sei ihm bewusst, dass er die finanziellen Forderungen nie werde aufbringen können. Er sei aber willens, seinen Beitrag zu leisten.

Argumente der Verteidigung

Mitte Nachmittag ergreift die Verteidigung des Angeklagte, Thomas N., das Wort. Diese bestätigt nochmals die Aussagen des Angeklagten, dass es ihm ursprünglich nur um den Missbrauch ging. Seine vor der Aussenwelt verheimlichte Pädophilie habe ihn aber immer schwerer bealstet und zunehmend aus dem Gleichgewicht gebracht bis er schliesslich seinem Drang nachgab, so seine Verteidigerin.  Der Angeklagte habe ausserdem spontan gehandelt und lediglich "grob" einen Plan entworfen. Getötet habe Thomas N. um seine Tat zu vertuschen, nicht aus Lust am Töten. Ohne die festgestellten, nazisstischen und zwanghaften Züge wäre es nicht soweit gekommen. 

Die Verteidigung fordert das Gericht dazu auf, sich nicht von der Öffentlichkeit beeinflussen zu lassen ihren Mandaten "für immer wegsperren" zu lassen. Weiter wurden verschiedene Gründe für eine Strafmilderung geltend gemacht. Dazu gehört das kooperative Verhalten des Täters, wie auch dessen Reue für seine Taten. Abschliessend beantragte die Verteidigerin eine Strafe von 18 Jahren Freiheitsentzug.  

Quelle: sda

 

Audiofiles

  1. Prozess Rupperswil: Tag 2 . Audio: Marco Zibung und Philipp Breit

Kommentieren

comments powered by Disqus