Vernetzt: IT-Experten und Hacker gegen E-Voting

Diverse Digitalexperten sehen mehr Gefahren als Nutzen

Ausgerechnet IT-Experten und Hacker machen mobil gegen die E-Voting Projekte des Bundes. Sie sehen in dem Projekt mehr Gefahren als Nutzen. Die Gruppe umfasst Digitalexperten wie den IT-Unternehmer und Nationalrat Franz Grüter, den Chaos Computer Club, Exponenten der Piratenpartei aber auch Juristen und Datenschützer. 

Hernani Marques vom Chaos Computer Club sieht mit dem E-Voting direkt die Demokratie in Gefahr, wie er in einem Interview mit der Basler Zeitung ausführt. Jede Ebene der Stimmabgabe könne angegriffen werden, führt er aus. Vom Betriebssystem über die Internetrouter bis zu den Servern. Wenn der Code unbemerkt manipuliert würde, wäre das nicht einmal nachzuweisen. Mit Kryptografie sei das lösbar, behauptet dagegen Informatikprofessor Rolf Haenni in der Berner Zeitung. Haenni betreut seit Jahren ein Forschungsprojekt zum Thema E-Voting an der Fachhochschule Bern. Sie würden sich auf jeden Fall überlegen, wie der stärkste Gegner angreifen würde - also wie z.B. Hacker der NSA oder Russland das System unterwandern könnten. 

Tatsächlich liegt beim E-Voting die grösste Gefahr vermutlich gar nicht unbedingt bei einem technischen Angriff, sondern darin, dass das Volk dem System misstrauen könnte. Wenn nur kleinste Ungereimtheiten auftauchen, wird das Abstimmungs- oder Wahlergebnis angezweifelt werden - und alle davor liegenden Abstimmungen und Wahlen ebenso. Im Gegensatz zu Stimmzettel, welche jeder nachzählen kann, können hochkomplexe kryptografische Systeme höchstens von Spezialisten überprüft werden. 

Im Parlament sind mehrere Vorstösse zum E-Voting hängig. Im Sommer sollen Unterschriften gesammelt werden für eine Volksabstimmung zum Thema. Diese will das E-Voting verbieten. Die Diskussion ist damit nun definitiv lanciert. 

Audiofiles

  1. Vernetzt: E-Voting wird es in der Schweiz schwierig haben. Audio: Boris Macek & Marco Zibung

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