Zuger Obergericht verschärft Strafe gegen Ivo Romer

55 Monate statt 54 Monate Gefängnis

Der frühere Stadt Zuger Finanzdirektor Ivo Romer muss ins Gefängnis: Der 54-Jährige ist am Mittwoch auch in zweiter Instanz wegen Veruntreuung verurteilt worden. Das Zuger Obergericht hat eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und sieben Monaten verhängt und ist damit ganz leicht über das Strafmass der Vorinstanz hinausgegangen.

Das Zuger Obergericht kam zum Schluss, dass sich Romer der mehrfachen Veruntreuung, der ungetreuen Geschäftsbesorgung, der Urkundenfälschung und der Geldwäscherei schuldig gemacht habe.

Romer wurde vorgeworfen, dass er als Vermögensverwalter einer gut betuchten Witwe Millionen für sich abgezweigt habe: Von 2006 bis 2012 soll sich der frühere Stadtpolitiker aus "reiner Habgier" und "purem Geltungsdrang" aus den Konten seiner Mandantin und deren Familienstiftung bedient haben, hatten die Staatsanwältinnen im vergangenen Dezember vor Obergericht ausgeführt.

Minutiöse Abklärungen hätten gezeigt, dass das Geld auf die Konten von Romer und dessen Unternehmen geflossen sei. Und verbucht worden sei dieses teilweise als Honorar-Einnahmen von nicht bestehenden Kunden.

Dass das Vermögen der Witwe, die 2011 im Alter von 96 Jahren verstarb, von anfänglich sechs Millionen Franken auf am Ende knapp 16'000 Franken geschmolzen sei, habe sie gewollt, hatte hingegen Romers Anwalt in seinem Plädoyer festgehalten. Sein Mandant habe stets im Auftrag und auf ausdrücklichen Wunsch der sehr selbstbestimmten, resoluten Dame gehandelt. Jede Transaktion sei genehmigt gewesen.

Auch der Beschuldigte selbst hatte jegliche Schuld von sich gewiesen - die Vorwürfe seien ungerecht, die Fakten sprächen eine andere Sprache, hatte Romer in seinem Schlusswort erklärt.

Obergericht: Buchhaltung gefälscht

Das Zuger Obergericht sah dies jedoch anders: Die gesamte Buchhaltung von Romers Unternehmen sei gefälscht worden, sagte der vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Hätte Romer das abgehobene Geld wie behauptet seiner Mandantin abgeliefert, hätte er keine fiktiven Rechnungen erstellen müssen.

Es gebe nicht die geringsten Anhaltspunkte, dass Romer die in den fraglichen Rechnungen aufgeführten Dienstleistungen erbracht habe. Es sei auch lebensfremd, anzunehmen, dass all diese angeblichen Auftraggeber aus dem fernen Ausland diese Rechnungen in bar und in Schweizer Franken bezahlt haben sollen.

In erster Instanz war Romer zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt worden. Dieses Strafmass erhöhte nun das Obergericht um einen Monat. Zudem sprach es eine bedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 30 Franken aus. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es kann Beschwerde am Bundesgericht erhoben werden.

(Quelle sda)

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