4000 Luzerner können Prämien nicht bezahlen

Wer auf der Liste steht, bekommt nur in Notfällen Geld

Immer mehr Menschen können die hohen Prämien für ihre Grundversicherung nicht mehr bezahlen. Seit 2012 führt der Kanton Luzern eine schwarze Liste mit säumigen Prämienzahlern. Wer auf dieser Liste landet, bekommt nur noch bei Notfallbehandlungen Geld von der Krankenkasse. Dies kann zu Problemen führen.

Neben Luzern führen auch die Kantone Zug, Aargau, St. Gallen, Schaffhausen, Solothurn, Thurgau, Tessin und Graubünden eine schwarze Liste mit Menschen, die ihr Krankenkassenprämien nicht bezahlt haben. Wer auf dieser Liste landet, bekommt einen Leistungsaufschub. Das heisst, dass die zahlungsunfähige Person kein Geld der Krankenkasse mehr bekommt, ausser es handelt sich um eine Notfallbehandlung. Im Kanton Graubünden verweigerte eine Krankenkasse einem HIV-positiven Mann die Bezahlung seiner Medikamente, weil er auf der schwarzen Liste stand und HIV nicht als Notfallbehandlung eingestuft wurde.  Wie die SonntagsZeitung schreibt, ist der Mann mittlerweile gestorben - ob er noch leben würde, wenn er die richtigen Medikamente bekommen hätte, lasse sich nicht mit Gewissheit sagen.

Notfall-Definition ist Ermessenssache

Was gemeinhin als Notfall gilt, muss in jedem Kanton der betroffene Vertrauensarzt beurteilen. Andreas Meyerhans, Mediensprecher des Luzerner Kantonsspitals, betont die Schwierigkeit dahinter: "Kommt beispielsweise jemand mit Ohrenschmerzen zu uns, kann das eine kleine Infektion oder ein Zeichen für etwas Schlimmes wie eine Hirnblutung sein. So etwas muss sauber abgeklärt werden." Von einem klaren Notfall kann man laut Meyerhans als Faustregel jedoch sprechen, sobald die Situation eines Patienten als lebensbedrohlich eingeschätzt wird oder die Gefahr bleibender Schäden besteht.

Immer mehr Personen auf der Liste

Der Kanton Luzern führt seit dem Jahr 2012 eine schwarze Liste mit säumigen Prämienzahlern. Zurzeit stehen die Namen von rund 4000 Einwohnern des Kantons Luzern auf dieser Liste - Tendenz steigend. Die Regierung Graubündens will die schwarze Liste säumiger Prämienzahler bis ins Jahr 2019 abschaffen. Im Kanton Luzern ist noch ein Vorstoss hängig, der Fragen zu den Kosten und dem Nutzen der schwarzen Liste aufwirft. Seitens des Luzerner Gesundheitsdepartements möchte man bis anhin keine Auskunft geben. "Ausführlich Stellung beziehen und über die Weiterführung entscheiden kann man erst, nachdem sich der Regierungsrat mit dem Vorstoss beschäftigt hat. Dies werden wir zu gegebener Zeit auch tun", sagt Erwin Roos, Departementssekretär des Gesundheits- und Sozialdepartements des Kantons Luzern, auf Anfrage.

Weitere Details zur schwarzen Liste säumiger Prämienzahler des Kantons Luzern finden Sie im Videobeitrag.

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