Berner Ex-Stapi Alexander Tschäppät ist tot

Bern trauert um seinen grössten Fan

Alexander Tschäppät mit seiner Wahlwerbung 2011 SP-Nationalrat Alexander Tschäppät

Der ehemalige Berner Stadtpräsident und Nationalrat Alexander Tschäppät ist tot. Der 66-jährige Sozialdemokrat erlag am Freitag einem Krebsleiden. Mit ihm verliert die  Bundesstadt einen volksnahen Charismatiker, der ebenso populär wie polarisierend war.

Seine Gegner schimpften den geselligen Stadtvater schon mal "Jovialdemokrat" oder "Cüpli-Sozialist". Seine Fans hingegen liebten ihn für seine Schlagfertigkeit, seinen Humor, aber auch für sein politisches Gespür. Für Tschäppät war Bern stets "die schönste Stadt der Welt", wie der selbst deklarierte "Bern Fan" bei seinen zahlreichen öffentlichen Auftritten nicht müde wird zu betonen. Und das wirkte nicht einmal aufgesetzt - war er doch seit frühster Jugend in der Bundesstadt verwurzelt.

Nach fast 20 Jahren als Gerichtspräsident in Bern wurde er 2001 in den Gemeinderat gewählt. Dort übernahm er zunächst die Direktion für Planung, Verkehr und Tiefbau. 2005 folgte die Wahl zum Stadtpräsidenten. Tschäppät trat damit in die Fussstapfen seines Vaters Reynold, Berns Stadtpräsident 1966 bis 1979. Tschäppät war zudem von 1991 bis 2003 ein erstes Mal Mitglied des Nationalrats. 2011 verpasste er die Wiederwahl und konnte erst nachrutschen als sein Bieler Parteikollege Hans Stöckli in den Ständerat wechselte. Bis zu seinem Tod war Tschäppät Mitglied der Grossen Kammer.

Plätze, Feste und Lebensqualität.
Als Berner Stadtpräsident heimste Tschäppät etwa Lorbeeren ein für die Umgestaltung des Bundesplatzes, für die die Fussball Europameisterschaft 2008 in Bern, für den Baldachin über dem Bahnhofplatz oder für das Zentrum Paul Klee. Doch Tschäppät sah sich auch mit Niederlagen und Kritik konfrontiert. Im bürgerlichen Lager galt er als "Laisser-faire-Politiker". Im Nationalrat glänzte er bisweilen eher durch Abwesenheit. Auch Tschäppäts Hang zur Selbstdarstellung drückte bisweilen durch. So leistete er sich den einen oder anderen handfesten Skandal. Googlen kann man etwa Suchbegriffe wie "Christoph Blocher Motherfucker" oder "Italienerwitze".

Doch die Bernerinnen und Berner verziehen ihrem "Stadtvater" die Ausrutscher immer wieder. Denn keiner vermittelte bernisches Lebensgefühl besser und mit mehr Witz und Schalk als er.

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