Luzerner Tatort: Im und aus dem KKL

Zuschauer sind dank einem Kamerakniff mitten drin

Die beiden Luzerner Kommissare Reto Flückiger (gespielt von Stefan Gubser) und Liz Ritschard (gespielt von Delia Mayer).

Am Sonntag wird der Luzerner Tatort «Die Musik stirbt zuletzt» auf SRF, ARD und ORF ausgestrahlt. Der Tatort wurde mit nur einer Kamera an einem Stück aufgenommen und spielt im KKL Luzern. Tatort-Fans können ihn dort kostenlos schauen – und zwar zwei Stunden vor der TV-Ausstrahlung.

Ein Krimi, bei dem die Leiche fast eine Stunde auf sich warten lässt? Der 88 Minuten fast nur in einem einzigen Gebäude spielt? «Die Musik stirbt zuletzt» von Regisseur Dani Levy ist der erste Tatort der neuen Saison. Er nimmt die Zuschauer wie bei einer Live-Aufnahme mitten ins Geschehen mit.

Die ganze Handlung ist mit einer einzigen Kamera ohne Unterbrechung durchgefilmt. Der Kameramann läuft den Schauspielern hinterher, einschliesslich bei einer Verfolgungsjagd. Das Bild wackelt manchmal, und genau das vermittelt das Gefühl, beim Verbrechen live dabei zu sein.

Und darum geht es im Tatort

Kommissarin Liz Ritschard (Delia Mayer) ist privat bei einer eleganten Benefiz-Gala im KKL Luzern zu Gast. Plötzlich torkelt der Klarinettist des Orchesters, Vincent Goldstein (Patrick Elias), um Luft ringend von der Bühne. Seine Zuckungen, der Luftröhrenschnitt mit dem Messer vom Buffet - überall ist die Kamera ganz nah dran. Der Klarinettist überlebt zwar, aber dass es ein Giftanschlag war, ist schnell klar. Sofort tun sich die Abgründe rund um den Mäzen und Israel-Freund auf, der das Gala-Konzert gesponsert hat.

Der von Hans Hollmann brillant gespielte Unternehmer und Milliardär Walter Loving hat vor mehr als 75 Jahren Juden vor den Nazis gerettet, für Geld. 30 Prozent Provision, wie er einräumt. Nicht alle, von denen er kassiert hat, überlebten aber. Zwei, deren Grosseltern Loving in Todesangst ihr Vermögen gaben und die trotzdem im Konzentrationslager umgebracht wurden, stehen an diesem Abend auf der Bühne und planen Rache. Der Klarinettist war einer davon.

Benefiz Konzert des Jewish Chamber Orchestra aus Buenos Aires (gespielt vom Jewish Chamber Orchestra Munich). Am Piano: Miriam Goldstein (Teresa Harder).

Abendkleid und Fussballtrikot

Ritschard ermittelt im lachsfarbenen Abendkleid. Den Kollegen Reto Flückiger (Stefan Gubser) holt sie vom Fussballplatz, und er geht in Trikot, kurzen Hosen und Badelatschen auf Verbrecherjagd. Denn sie glauben, dass der Täter gleich noch einmal zuschlagen wird.

Der Regisseur wirft ein paar Nebelkerzen: Zwei Frauen wird es plötzlich übel, und die Kamera macht auch vor dem Erbrechen auf der Damentoilette nicht halt. Ritschard hatte mal etwas mit dem Dirigenten. Flückiger ist vor Jahren von Franky Loving (Andri Schenardi) niedergestochen worden,

der wiederum abwechselnd gegen seinen Vater Walter wütet oder um seine Liebe buhlt. Zwielichtig erscheinen auch Lovings immer noch loyale Ex-Frau (Sibylle Canonica) und seine Juristin (Uygar Tamer). Ihr macht der greise Loving mit Rollator einen Heiratsantrag, sie ist aber von seinem Sohn Franky schwanger.

Schliesslich gibt es noch mindestens einen Mord, vielleicht auch zwei, und einen Todeskampf vor der Kameralinse. Dass es nicht zu beklemmend wird, dafür sorgt Franky. Mit sarkastischen Einwürfen und dem Blick direkt in die Kamera holt er die Zuschauer immer wieder auf das sonntägliche Tatort-Schauen auf dem Sofa zurück.

"Lächerlich, deshalb mag ich keine Krimis", sagt er an einer Stelle. "Statt zu sagen, bei wem sie das Gift gefunden haben, macht die Regie einen auf Spannung." Oder am Ende: "Drei Minuten bleiben uns noch, aber der Tatort ist ja gleich um. Keine Angst, es gibt ein Fernsehgebot, dass man sterbenden Menschen nicht zusehen darf."

Tragische Liebe: Elena Princip (Uygar Tamer) und Franky Loving (Andri Schenardi).

Übertragung am Sonntag im KKL Luzern

Der Film wird am Sonntag um 20.05 Uhr auf SRF1 gezeigt. Zwei Stunden zuvor läuft der Film bereits als Premiere im KKL Luzern (Start um 18.00 Uhr). Karten können kostenlos ab 16.30 Uhr direkt beim KKL Luzern bezogen werden. Eingeladen sind auch einige der über 1'500 Statisten, die beim Film an mehreren Abenden mitgewirkt haben. Hier gibt es weitere Informationen dazu. 

(Quelle: SDA/DPA)

Ruhe vor dem Sturm: Noch lauschen die Gäste gebannt dem Konzert. V.r: Alice Loving-Orelli (Sibylle Canonica), Franky Loving (Andri Schenardi), Walter Loving (Hans Hollmann), Elena Princip (Uygar Tamer).
Stefan Gubser alias Kommissar Reto Flückiger fährt direkt von einem FCL-Match ins KKL Luzern.

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