Wer vorsichtig fährt soll weniger Prämien zahlen

Die BFU empfiehlt Pilotprojekt für neue Versicherungsmodelle

Autofahren (Symbolbild)

Wer im Strassenverkehr vorsichtig unterwegs ist, soll weniger Prämien für die Motorfahrzeugversicherung bezahlen. Dies empfiehlt die Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU in einer neuen Forschungsarbeit.

Wer umsichtig fährt, soll weniger Prämien für die Motorfahrzeugversicherung bezahlen. Dies empfiehlt die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU). Sie zeigt in einer neuen Forschungsarbeit, wie solche finanzielle Anreize gestaltet werden könnten.

Solch neue Versicherungsmodelle würden immer beliebter werden

Motorfahrzeugversicherungen, die das persönliche Fahrverhalten berücksichtigen, würden international immer beliebter, schreibt die BFU in einer Medienmitteilung vom Donnerstag. Doch in der Schweiz seien solche Prämienmodelle heute - im Gegensatz zu Ländern wie Italien oder den USA - noch wenig verbreitet. Die BFU äussert sich überzeugt, dass derartige Policen das Potenzial haben, die Verkehrssicherheit nachhaltig zu beeinflussen. Vorbildlich fahrende Versicherte kämen in den Genuss tieferer Prämien, und auch für die Versicherungsunternehmen gäbe es Vorteile: Weil für die Prämienberechnung GPS- und andere Sensordaten verwendet würden, könnte es beispielsweise einfacher werden, Betrugsfälle aufzudecken.

Bonus wirksamer als Malus

In einer Forschungsarbeit zeigt die BFU, wie solche Versicherungsmodelle gestaltet sein sollten, damit sie sich günstig auf die Verkehrssicherheit auswirken. Demnach sind "Bonus-Systeme" wirksamer als "Malus-Systeme". Sicheres Fahrverhalten soll also belohnt werden. Was sicheres Fahren bedeutet, sollten Versicherungen einfach und transparent definieren. Angepasste Geschwindigkeit oder genügend Abstand zu voranfahrenden Fahrzeugen seien mögliche Kriterien. Für die

Versicherten müsse eine Selbstkontrolle, ob ihr Fahrverhalten den Vorgaben entspricht, jederzeit möglich sein. Zudem sollten Versicherungen die Belohnungen zuverlässig und zeitnah abgeben, etwa als direkte Prämienrabatte oder in Form von Bonuspunkten, die sich später in ein Geschenk umtauschen lassen. Um solche Prämienmodelle noch sicherheitswirksamer zu machen, könnten sie mit Fahrerassistenzsystemen kombiniert werden, so dass im Fahrzeug beispielsweise ein Warnton zu hören ist, wenn die erlaubte Höchstgeschwindigkeit überschritten wird.

Pilotprojekte zum Testen der Wirkung

Einige internationale Studienresultate, welche die BFU analysiert hat, seien vielversprechend für die Unfallprävention. Insgesamt seien die bisherigen Studien allerdings zu wenig aussagekräftig, um den Nutzen finanzieller Anreize abschliessend zu beurteilen. Es sei deshalb empfehlenswert, auch in der Schweiz Pilotprojekte durchzuführen und die Sicherheitswirkung zu evaluieren.

Noch diverse Fragen offen

Allerdings müssten für eine lückenlose Einführung noch wichtige Fragen geklärt werden, hält die Beratungsstelle fest - zum Beispiel betreffend Akzeptanz solcher Prämienmodelle bei den Versicherten und Datenschutz. Die BFU ist eine privatrechtlich organisierte Stiftung mit öffentlichem Auftrag.

Kommentieren

comments powered by Disqus