So verliefen die letzten Hearings in Bern

SP und FDP geben zum CVP-Ticket keine Wahlempfehlung

Am Tag vor der Doppel-Ersatzwahl in den Bundesrat lassen SP und FDP offen, welche Kandidatin des CVP-Tickets sie bevorzugen. Die CVP ihrerseits legt sich beim FDP-Ticket nicht fest. Die FDP-Kandidatin Karin Keller-Sutter startet aus der Pole-Position.

Am morgigen Mittwoch wählt die Bundesversammlung die Nachfolge für Doris Leuthard (CVP) und Johann Schneider-Ammann (FDP). Beide Fraktionen treten mit einem Zweierticket an. Die CVP hat die Walliser Nationalrätin Viola Amherd und die Urner Justizdirektorin Heidi Z'graggen nominiert. Die FDP hat die Ständeratsmitglieder Karin Keller-Sutter (SG) und Hans Wicki (NW) auf ihr Ticket gesetzt.

Die SP will erst am frühen Mittwochmorgen entscheiden, ob sie eine CVP-Kandidatin zur Wahl empfehlen will, wie Fraktionschef Roger Nordmann am Dienstag nach den Hearings sagte. Keine Empfehlung zum CVP-Ticket abgegeben hat auch die 45-köpfige FDP-Fraktion. Amherd und Z'graggen hätten positive, prägende Seiten und seien wählbar, erklärte Fraktionspräsident Beat Walti (ZH), nachdem die Fraktion die beiden Frauen angehört hatte.

Ebenso legten sich die 43 Mitglieder der CVP-Fraktion nicht auf eine freisinnige Kandidatur fest, wie Fraktionschef Filippo Lombardi (TI) sagte. Keller-Sutter und Wicki hätten die nötigen Qualifikationen für das Amt des Bundesrats. Die Fraktion habe beide für wählbar erklärt.

SVP einzige grosse Partei mit CVP-Empfehlung

Als einzige grosse Fraktion hat bisher die SVP eine Empfehlung zum CVP-Ticket abgegeben. Vergangene Woche gab sie mehrheitlich Z'graggen den Vorzug gegenüber Amherd. Allerdings waren von den 74 Fraktionsmitgliedern rund 20 an der Sitzung nicht anwesend. Auf dem FDP-Ticket unterstützt die SVP mehrheitlich Karin Keller-Sutter.

Die kleineren Fraktionen haben sich auch festgelegt. Die Grünen empfehlen wie die SP Keller-Sutter für die Nachfolge von Schneider-Ammann. Es sei Zeit, dass in der Regierung eine weitere Frau sitze, erklärte der Zürcher Nationalrat und Fraktionspräsident Balthasar Glättli. Bei der CVP hat Viola Amherd leichte Vorteile, auch wenn die Grünen beide Kandidatinnen im Rennen um die Nachfolge von CVP-Bundesrätin unterstützen wollen. Einige Fraktionsmitglieder würden eher die Walliserin wählen, sagte Glättli.

Bei der GLP und der BDP wiederum haben Keller-Sutter und Amherd gepunktet. Beide Fraktionen - die GLP hat sieben und die BDP acht Mitglieder - geben der St. Gallerin und der Oberwalliserin den Vorzug.

Amherd mit Vorteilen

Auch wenn die in Bern kaum bekannte Urnerin Z'graggen überraschend weit gekommen ist, wird Amherd doch als Favoritin gehandelt. Die Kampagne, in deren Verlauf ihr Raffgier und berufliche Verfehlungen vorgeworfen wurden, scheint keine Spuren hinterlassen zu haben. Bei öffentlichen Auftritten hat sie keine Punkte abgegeben.

Zudem kann die langjährige Nationalrätin im Bundeshaus auf einen Heimvorteil zählen. Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier wissen, wen sie in den Bundesrat wählen. Z'graggen scheint dagegen schwerer fassbar. Unklar ist auch, ob etwas von der "Depp"-Affäre an ihr hängen geblieben ist.

Zwischen Keller-Sutter und Wicki, die den Freisinnigen Johann Schneider-Ammann beerben wollen, scheint das Rennen dagegen bereits gelaufen: Keller-Sutter ist als Favoritin in den Wahlkampf gestartet und hat nach den Hearings ihren Vorsprung zementiert.

(sda)

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