Das fasnächtlichzündende Narrenblatt

Die Entstehung des legendären Narrenblattes aus Altdorf

Zwischenmenschliche Beziehungen, die Liebe oder Politik - die Grosszahl der Narrenblattsprüche befasst sich bis heute mit dem alltäglichen Leben in Altdorf aber auch internationale Themen werden kritisch beleuchtet. Der Verein «Nächstenliebe» aus Altdorf ist im Endspurt des diesjährigen Narrenblattes. 

Dafür braucht es jedes Jahr einige kreative Köpfe. Rund 300 Stunden haben die aktiven und passiven Mitglieder des Vereins «Nächstensliebe» in das Narrenblatt investiert. Das Narrenblatt ist eine der ältesten Fasnachtstraditionen im Kanton Uri. Es ist eine Zeitung, welche freche Sprüche zu den aktuellsten Themen des Jahres präsentiert.

Tell Eulenspiegel

Thema der diesjährigen Ausgabe ist «Tell Eulenspiegel». Abgeleitet vom Narr «Till Eulenspiegel» - passend zum Narrenblatt. Die Ausgabe erscheint im Layout des deutschen Nachrichtenmagazins «Der Spiegel». Es soll den Urnern den Spiegel vorhalten. «Wir wollen zeigen, dass heute viel mehr Schein als Sein ist und die Nachrichtenlandschaft geprägt ist von Fake-News», so der 26-jährige Redaktor Raphael Aeschbacher. Gemeinsam mit dem ebenfalls 26-jährigen Joy Gisler ist er dieses Jahr für das Narrenblatt zuständig.

Giftige Sprüche

Themen wie der Brexit, die Bundesratskandidatin Heidi Z'graggen oder die Skirennfahrerin Aline Danioth werden pointiert kommentiert. Der Verein dichtet an einem Wochenende im Dezember gemeinsam und entscheidet sich für die besten und passendsten Sprüche, die auch provozieren dürfen. Der eine oder andere Urner bekommt dabei sein Fett weg. "Spätestens dann, wenn sich der Wind gelegt hat, können alle darüber lachen", witzelt Joy Gisler.

Seine 40. Ausgabe

Zu den Sprüchen liefert der 74-jährige Tino Steinmann die Bilder. Dieses Jahr illustriert er seine 40. Ausgabe. Pro Ausgabe zeichnet er 10 bis 14 Tage. Bis heute hat er ausgerechnet ein ganzes Jahr fürs Narrenblatt illustriert. 1967 wurde er angefragt, beim Narrenblatt mitzumachen. «Ich habe zugesagt und bin bis heute dabei», erzählt er strahlend. Viele freudige Gesichter erwartet der Verein «Nächstenliebe» morgen. Beim Eintrommeln in Altdorf werden nämlich die ersten Exemplare des Narrenblattes verkauft.

Till Eulenspiegel als Vorlage der diesjährigen Ausgabe. Der Illustrator Tino Steinemann und die beiden Redaktoren Raphael Aeschbacher und Joy Gisler an der Besprechung des Layouts. Vor über 110 Jahren entstand das erste Narrenblatt. Tino Steinemann hat die letzten 40 Ausgaben mitgeprägt.

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