Fasnachts-Freilichtspektakel Japanesenspiel

Japanesengesellschaft zeigt «Was ächt Schwyz»

Nach sechs Jahren Unterbruch zeigt die 162-jährige Japnesengesellschaft Schwyz wieder ein Fasnachtsspiel. In «Was ächt Schwyz» von Roger Bürgler ist dabei so ziemlich alles anders.

Die stolze Japanesengesellschaft Schwyz hat Nachwuchs- und Zukunftssorgen. Der 162-jährige Fasnachtsverein aus dem einst proletarischen Schwyzer Gesellschaftsumfeld – im Volksmund despektierlich «Stehchrägeler» genannt – war in den letzten Jahren faktisch inexistent. 49 Freilichttheater zeigten die Japanesen, die sich bei ihrer Gründung 1857 noch «Freunde des tollen Lebens» nannten bis 2013. Dann wurde allgemein der Niedergang erwartet.

Ein Winter-Freilichttheater

Doch es kam anders. An der Reichsversammlung vom Dreikönigstag 2017 liess sich der frühere Schwyzer FDP-Ständerat Toni Dettling zum Vorsteher einer Findungskommission berufen, die zur Aufgabe hatte, zumindest wieder ein Freilichttheater auf den barocken Hauptplatz Schwyz zu zaubern. Die besagte Findungskommission blieb bis zu ihrer Auflösung am 6. Januar 2019 ein Einmann-Unternehmen mit wenig Kredit. Toni Dettling gelang jedoch, den gebürtigen Schwyzer Kulturproduzenten Roger Bürgler, der mit dem internationalen Musikfestival «Gersauer Herbst», Kino-Dokumentarfilmen und zahlreichen Bühnenproduktionen bekannt ist, für ein Wiederaufleben der schweizweit einzigartigen Fasnachtsspiel-Tradition zu begeistern. Roger Bürgler forderte für Stück wie auch Produktion von den Japanesen «Narrenfreiheit» ein und scharte alsdann eine künstlerische Crew mit Regisseur Urs Kündig an der Spitze um sich, die im und um den Talkessel Schwyz als Garanten für hochklassige Arbeit gilt. Als der bekannte Architekt Karl Schönbächler das OK-Präsidium übernahm und innert Rekordzeit die Finanzierung der knapp 500'000 Franken teuren Produktion sicherte, ist das Fasnachtsspiel 2019 auf gutem Weg. Mehr noch. In Schwyz ist sogar ein Hauch Euphorie spürbar.

Gegen 100 Mitwirkende

Zentraler Unterschied zu den früheren Japanesenspielen ist, dass diesmal der Hauptplatz, zwei bespielbare Kuben und eine Podesterie die eigentliche Bühne darstellen und die rund 30 Schauspieler, zwei Fasnachtsgruppen, das Tanz-Ensemble von Sonja Bolfing, die Live-Band und ein Gesangs- Trio unter der Leitung von David Bürgler viel näher am Publikum agiert. Dieses sitzt geschützt unter einem Dach in einer Arena, die 600 Personen Platz bietet. Das Stück «Was ächt Schwyz» ist als zeitkritische, kurzweilige und vor allem fasnächtliche Revue auf verschiedenen Ebenen mit Einbezug von Live- Musik, Tanz, Projektionen und Videoeinspielungen konzipiert. Im knapp einstündigen Stück ist viel «Schwyzness» verpackt. Dennoch gelingt es den «Was ächt Schwyz»-Machern, das Spektakel für jedermann/frau attraktiv und verständlich zu halten.

Eine Weltpremiere

Für die gewaltige Illumination an der barocken Schwyzer Pfarrkirche haben sich die Initianten Brigitte Roux geangelt. Die Zürcherin begeistert seit acht Jahren im Oktober/November gegen eine halbe Million staunende Passanten mit «Rendez-vous Bundesplatz». «Das ist eine Weltpremiere», sagt OK-Präsident Karl Schönbächler. «Noch nie wurden diese fantastischen Bildgestaltungsmöglichkeiten in die Dramaturgie eines Winter-Freilichtspiel verpackt.» Gespielt wird vom 22. Februar bis am 3. März 2019. Der Vorverkauf läuft, die Ticketnachfrage ist bereits deutlich über den Erwartungen.

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