"No Hitting Day" für gewaltfreie Erziehung

Jedes zweite Kind in der Schweiz erlebt psychische oder physische Gewalt

Am 30. April ist internationaler "No Hitting Day". Auch die Schweiz beschäftigt sich an diesem Tag mit gewaltfreier Erziehung. Eine Studie der Universität Freiburg zeigt, dass in der Schweiz jedes zweite Kind physische oder psychische Gewalt in der Erziehung erlebt. Dies berichtete die Stiftung Kinderschutz Schweiz. Doch was heisst eigentlich gewaltfrei?

Am internationalen Tag der gewaltfreien Erziehung, dem "No Hitting Day", soll die Gesellschaft über erzieherische Gewalt sensibilisiert werden. Denn auch in der Schweiz erleben Kinder mehr Gewalt in der Erziehung, als man denkt. Jedes zweite Kind in der Schweiz ist von physischer oder psychischer Gewalt zu Hause betroffen. Dies zeigt eine Studie der Universität Fribourg, über welche die Stiftung Kinderschutz Schweiz berichtete.

Was ist physische und psychische Gewalt?

Zur physischer Gewalt werden beispielsweise Ohrfeigen oder einen Klaps auf den Po gezählt. Psychische Gewalt herrscht zum Beispiel dann, wenn Eltern ihre Kinder beschimpfen oder ihnen mit Hausarrest drohen.

Wo beginnt Gewalt in der Erziehung?

Was genau eine gewaltlose Erziehung ist, da waren sich die Leute auf der Strasse in der Stadt Luzern nicht einig. Ignaz Heim, der Präsident der Schweizer Berufsbeistände, versteht Folgendes unter Gewalt: "Die Auffassung ist noch immer weit verbreitet, dass etwas Druck und hin und wieder eine Ohrfeige einem Kind nicht schaden. Ich finde dies eine unvorsichtige Haltung und einem Kind gegenüber nicht adäquat (...) Kinder haben das Recht, ohne Gewalt-Erfahrungen aufzuwachsen."

Was tun bei Gewalt in der Erziehung?

Oft sei es die grösste Herausforderung, überhaupt herauszufinden, ob ein Kind zu Hause Gewalt erfährt. Laut Ignaz Heim würden die Schulen eine wichtige Rolle dabei spielen, dass die Kinder Vertrauen aufbauen und darüber sprechen. Denn "Welches Kind will so etwas über seine Eltern erzählen?", so Heim.

Vorausgesetzt, Drohungen und Ohrfeigen gehören nicht zur Tagesordnung: Was gilt es zu Tun bei Gewalt in der Erziehung? Ignaz Heim ist der Meinung, man müsse die Situation von Fall zu Fall beurteilen: "Das kann ein einzelnes Gespräch sein, oder auch eine therapeutische Begleitung über viele Monate. Je nachdem, wie schwer die Situation ist und den Ursachen, die zur Gewalt in der Familie führen (...)".

Gewaltfreie Erziehung nicht gesetzlich verankert

Laut der Stiftung Kinderschutz Schweiz reicht die Sensibilisierung alleine, zum Beispiel mit dem "No Hitting Day", aber nicht aus. Gefordert sei auch die Politik. In der Schweiz ist die gewaltfreie Erziehung bislang nämlich nicht gesetzlich verankert. Erziehung sei zwar Privatsache, Gewalt gegen Kinder jedoch nicht. Der UNO-Ausschuss für die Rechte des Kindes rügte die Schweiz bereits mehrfach, weil sie die im Jahr 1997 ratifizierte Kinderrechtskonvention ungenügend umgesetzt hat.

Der internationale No Hitting Day erinnert an das Recht der Kinder auf eine gewaltfreie Erziehung (Symbolbild).

Audiofiles

  1. Am 30. April ist internationaler "No Hitting Day" gegen Gewalt in der Erziehung. Audio: Yanik Probst, Radio Pilatus AG

Kommentieren

comments powered by Disqus