Der Schutz des Wolfes soll gelockert werden

Eine Bedrohung des Grossraubtiers soll für dessen Abschuss ausreichen

Der Schutz des Wolfes soll gelockert werden (Symbolbild/Archivbild).

Der Schutz der Wölfe in der Schweiz soll gelockert werden. So will es das Parlament. Der Ständerat hat sich im umstrittenen Punkt am Dienstag, 11. Juni, dem Nationalrat angeschlossen: Eine Bedrohung des Grossraubtiers soll für dessen Abschuss ausreichen. Der Bundesrat wollte die Abschüsse nur dann zulassen, wenn grosser Schaden droht und wenn dieser nicht mit zumutbaren Schutzmassnahmen verhütet werden kann.

Dass der Schutz gelockert werden soll, hatte das eidgenössische Parlament bereits vorher entschieden: Die Behörden sollen Tiere künftig zum Abschuss freigeben dürfen, bevor Schaden entstanden ist. Umstritten waren aber noch die Bedingungen.

Der Bundesrat wollte die Abschüsse nur dann zulassen, wenn grosser Schaden droht und wenn dieser nicht mit zumutbaren Schutzmassnahmen verhütet werden kann. Das Parlament hat nun aber beschlossen, eine Dezimierung des Wolfsbestandes bei jedem drohenden Schaden zu ermöglichen - und selbst dann, wenn keine Herdenschutzmassnahmen ergriffen wurden.

Berner Konvention verlange ernste Bedrohung

Umweltministerin Simonetta Sommaruga erinnerte daran, dass das Ziel gewesen sei, mit der Regulierung im Rahmen der Berner Konvention über den Artenschutz zu bleiben. Mit den nun beschlossenen Regeln sei "die Kompatibilität mit der Berner Konvention nicht mehr eindeutig zu erkennen".

Diese sei nämlich glasklar, sagte Sommaruga. Sie verlange, dass "serious damage" drohe. Das könne mit "ernstem", "grossem" oder "erheblichem" Schaden übersetzt werden. Aber Schaden allein genüge nicht. Ausserdem sei schwer erklärbar, dass nicht einmal zumutbare Schutzmassnahmen ergriffen werden müssten.

Die Mehrheit befand aber, mit der Bundesratsversion wären die Hürden für Abschüsse so hoch, dass keine echte Regulierung möglich wäre. Würden die Regeln nicht genügend gelockert, würden viele "in die Kriminalität geführt", argumentierte Roland Eberle (SVP/TG). 

Abschuss zwischen September und Januar

Der Abschuss von Wölfen soll zwischen dem 1. September und dem 31. Januar erlaubt werden dürfen. Hier schloss sich der Ständerat gegen den Willen seiner Kommission dem Nationalrat an. Zunächst hatte er den Abschuss bis Ende März erlauben wollen.

Der kürzere Zeitraum soll gewährleisten, dass nicht Jungtiere geschossen oder diesen die Eltern weggeschossen werden. Die Fortpflanzungszeit müsse in die Schonzeit fallen, sagte Sommaruga dazu. Sieben Monate Regulierungsperiode wären aus Sicht des Artenschutzes eindeutig zu lang.

Die Vorlage geht nun zurück an den Nationalrat.

Das letzte Wort könnte das Stimmvolk haben: Naturschutzorganisationen haben bereits ein Referendum in Aussicht gestellt. Aus ihrer Sicht handelt es sich um eine inakzeptable Schwächung des Artenschutzes. 

Quelle: sda

Audiofiles

  1. Der Schutz des Wolfes soll gelockert werden. Audio: Sophie Müller, Radio Pilatus AG

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