20. Jahre nach Canyoning-Unglück im Saxetbach

Das Unglück im Berner Oberland ging um die Welt

Vor 20 Jahren kam es im Saxetbach zum Drama. (Symbolbild)

Heute vor 20 Jahren hat ein schweres Canyoning-Unglück im Berner Oberland die Welt erschüttert. Im Saxetbach wurde eine Gruppe abenteuerlustiger junger Touristen mit ihren Guides von einer Flutwelle überrascht. 21 Menschen kamen dabei ums Leben.

Der Abend des 27. Juli 1999 hat sich Alex Karlen ins Gedächtnis eingebrannt. Von einem Kollegen wurde Karlen informiert, dass in der Lütschine Leichen treiben. Der Redaktor des "Berner Oberländer" begab sich nach 18 Uhr nach Bönigen, wo der Fluss Lütschine die Leichen aus der weiter oben gelegenen Saxetbachschlucht in den Brienzersee spülte. "Erst einige Polizisten waren vor Ort. In einem Boot vor dem Lütschinendelta waren Rettungskräfte daran, die Toten zu bergen", erinnert sich Karlen im Gespräch mit Keystone-SDA."Es herrschte eine sehr bedrückende Stimmung, denn niemand wusste, wie viele Menschen noch oben im Saxetbach waren."

Am späten Abend folgte dann die traurige Gewissheit: 21 Menschen aus Australien, Neuseeland, England, Südafrika und der Schweiz waren in der Flutwelle ertrunken.

Die Flut

Gegen 16.30 Uhr hatte sich im trichterförmigen Einzugsgebiet des Saxetbachs ein heftiges Gewitter entladen. Innert kurzer Zeit schwoll der Bach mächtig an. Zu dieser Zeit befanden sich vier Gruppen eines Canyoning-Anbieters mit insgesamt 45 Touristen im Wildbach. Die beiden mittleren Gruppen und eine Person aus der ersten Gruppe wurden von der Flutwelle aus Wasser, Steinen und Geäst erfasst. Die Guides hatten vor dem Abmarsch der Gruppen das Wetter gecheckt und die Tour als durchführbar beurteilt. Vom Einstiegsort in die Schlucht des Saxetbachs aus konnten sie jedoch nicht erkennen, dass sich im Einzugsgebiet ein Gewitter zusammengebraut hatte.

Die Schuldfrage

Nach dem Unglück wurde die Schuldfrage heftig diskutiert. Zweieinhalb Jahre nach der Katastrophe kam es zur Gerichtsverhandlung gegen die Verantwortlichen. Die Guides wurden freigesprochen. Die Chefs der Anbieterfirma wurden wegen fahrlässiger Tötung zu bedingten Gefängnisstrafen verurteilt. Die Chefs hätten ihre Sorgfaltspflicht verletzt, kam das Gericht zum Schluss.

Die Erinnerung

An einer ruhigen Stelle am Saxetbach steht heute ein grosser Stein. Darin eingraviert sind die Namen jener 21 jungen Menschen, die 1999 den Abenteuerspass mit dem Leben bezahlten. Noch heute sind an der kleinen Gedenkstätte Hunderte Botschaften angebracht von all jenen, die in Gedanken bei den Opfern von damals sind.

Eines der 21 Opfer, eine junge Australierin, die mit ihrem Mann auf Hochzeitsreise war, konnte bis heute nicht gefunden werden. Sie wird, zugeschüttet von Geröll, auf dem Boden des Brienzersees vermutet.

(Quelle sda) 

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