Viele Süchtige bei Online-Geldspielen

In der Schweiz ist rund jeder fünfte Spieler von Glücksspielen im Netz süchtig

Glücksspiele sind weit verbreitet, doch weisen nur wenige Spielerinnen und Spieler in der Schweiz ein risikoreiches oder pathologisches Verhalten auf. Besonders hoch ist der Anteil der Spielsüchtigen bei internationalen Online-Spielen, wie eine neue Studie zeigt.

Die am Dienstag veröffentlichte Untersuchung bezieht sich auf das Jahr 2017 - also noch vor dem Inkrafttreten des neuen Geldspielgesetzes Anfang 2019. Sie wird ermöglichen, später die Entwicklung mit dem neuen Gesetz beobachten zu können. Erstellt wurde die Studie im Auftrag der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK) und der interkantonalen Lotterie- und Wettkommission (Comlot). Die Ergebnisse zeigten, dass das neue Gesetz an den richtigen Punkten ansetze, sagten Hansjörg Znoj von der ESBK und Manuel Richard von Comlot vor den Medien in Bern.

Das neue Gesetz ermöglicht legale Online-Spiele sowie Netzsperren für nicht zugelassene ausländische Online-Spiele. Diese können zwar mit Tricks umgangen werden. Für viele Spieler zeigten sie dennoch Wirkung, sagte Znoj. Richard wies darauf hin, dass sich zudem diverse ausländische Online-Anbieter wegen des Gesetzes vom Schweizer Markt zurückgezogen hätten.

Süchtige Online-Spieler

Gemäss der Studie spielten schon vor den Sperren nur wenige in der Schweiz Glücksspiele bei internationalen Online-Anbietern. Lediglich 2,3 Prozent gaben in der Befragung von 2017 an, in den letzten zwölf Monaten solche Spiele gespielt zu haben. Dieser tiefe Wert habe ihn überrascht, sagte Mitautor Severin Haug vom Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung (ISGF).

Die Online-Spiele hatten aber gleichzeitig den höchsten Anteil von Spielerinnen und Spielern mit risikoreichem oder pathologischem Verhalten: Rund 22 Prozent der Personen, die solche Spiele spielten, wiesen ein problematisches Verhalten auf.

Nur wenige Problemspieler

Insgesamt wiesen im Jahr 2017 2,8 Prozent der befragten Personen ein risikoreiches Spielverhalten auf, 0,2 Prozent ein pathologisches. Dieser Wert ist tiefer als im Jahr 2012. Risikoreiches oder pathologisches Spielen trat bei Männern, Personen mit einem tieferen Bildungsniveau, Rauchern sowie Personen mit höheren Depressivitätswerten und einer tieferen Kontrollüberzeugung gehäuft auf. Der Anteil der risikoreich Spielenden fällt in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen am höchsten aus.

Aus Sicht der ESBK und der Comlot zeigt die Studie, dass die Sozialschutzmassnahmen greifen, für welche die Anbieter zuständig sind. Diese umfassen vor allem die Früherkennung sowie Spielersperren. Im internationalen Vergleich entsprechen die Zahlen aus der Schweiz laut den Verantwortlichen in etwa den Werten anderer Länder.

Quelle: sda

Audiofiles

  1. Spielsucht. Audio: Caroline Dettling

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