Das vergessene Jahrhundertbauwerk

Vor 100 Jahren begann Uri die östliche Reussebene zu entwässern

Der Hunger hatte die Schweiz während und nach dem 1. Weltkrieg fest im Griff. Nahrungsmittelimporte aus dem Ausland gingen dramatisch zurück. Deshalb musste unbedingt die Selbstversorgung verbessert werden. Eine der Massnahmen war das Trockenlegen der Reussebene im Kanton Uri. Eine Ebene, die damals noch zum grössten Teil ein Sumpfgebiet war. Damals eine Mammutaufgabe, die sich aber gelohnt hat, wie wir heute, 100 Jahre später, noch sehen können. 

Mit den rund 75 Kilometern Leitungen und -kanälen sowie dem Pumpenwerk erschuff der Kanton Uri ein Entwässerungssystem das vom Urnersee bis nach Erstfeld reicht. 6 Jahre lang zogen bis zu 130 Arbeiter gleichzeitig Gräben durch die Reussebene. Der Kostenvoranschlag bei Baubeginn September 1919 war 1,7 Millionen Franken. Bis zum Abschluss 1925 stiegen die Kosten jedoch auf 3 Millionen Franken - damals ein ungeheur grosser Betrag.

100 Jahre-Jubiläum

Auch heute noch entwässert das Meliorationssystem den Urner Talboden Jahr ein Jahr aus zuverlässig. Den Unterhalt der Anlage unternimmt die sogenannte Meliorationsgenossenschaft Reussebene. Rund 10 Familien engagieren sich in der Genossenschaft - es sind fast die gleichen 10 Familien, die damals schon bei der Gründung der Genossenschaft dabei waren. Am 19. Oktober feiert die Genossenschaft 100 Jahre Melioration mit einem Tag der offenen Türe, an dem das Pumpenwerk in Flüelen und die Kanäle besichtigt werden können. Pünktlich zum Jubiläum erscheint auch ein Buch, dass die Gschichte des Mammutprojekts nachzeichnet. Geschrieben hat es der Urner Historiker Elias Bricker.

Bau Melirationsanlage Urner Reussebene, Herbst 1919

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