Trotz Lehre und gutem Deutsch abgewiesen

Abgewiesener Asylsuchender in Sarnen möchte gehört werden

Das Leben eines abgewiesenen Asylsuchenden ist nicht einfach, weil er immer damit rechnen muss, dass er bestraft oder ausgeschafft wird. Am 18. Dezember 2019, dem internationalen Tag der Migranten, soll auf dieses Schicksal aufmerksam gemacht werden. Abdelhadi Abdallah hat in Sarnen genau ein solches Schicksal erfahren.

Abdelhadi Abdallah ist 24 Jahre alt und kommt aus Eritrea. Er ist vor 4.5 Jahren in die Schweiz geflüchtet, weil es in seinem Land eine Diktatur gibt und er Militärdienst hätte leisten müssen. Er gab sich von Anfang an Mühe, Deutsch zu lernen, hat sich dies unter anderem mit Youtube-Videos selbst beigebracht. In einer Firma hat er eine Lehrstelle als Montage-Elektriker angefangen. Sein Chef war stets zufrieden mit ihm und er hat gute Noten geschrieben. Trotz allem kam im April dieses Jahres der Brief vom Bund mit dem Entscheid: abgewiesen. Für Abdelhadi brach eine Welt zusammen. Von nun an war nämlich alles anders.

Der Alltag eines abgewiesenen Asylsuchenden

Als abgewiesener Asylsuchender darf man weiterhin im Kanton Obwalden leben. Man wird geduldet. Man darf aber weder arbeiten noch freiwilligen Dienst leisten. Abdelhadi musste seine Lehre abbrechen, obwohl sich sein Chef noch für ihn eingesetzt hatte. Nun ist er seit fünf Monaten arbeitslos, kann nichts machen und lebt in den Tag hinein. Er beschreibt, dass er sich in der Notunterkunft wie in einem Gefängnis fühlt. Er hätte zwar mehr Freiheiten, darf aber nicht arbeiten und nichts lernen und verschwendet so seine Zeit.

Notunterkunft in Sarnen

In der Notunterkunft in Sarnen leben zurzeit 11 Asylsuchende. Es sind alles Männer. Sie kommen aus Eritrea, Sri Lanka, Tibet und Äthiopien. Sie teilen sich die kleinen Zimmer, in einem ist sogar eine Matratze auf dem Boden. Die meisten von Abdelhadis Mitbewohnern haben ein ähnliches Schicksal erduldet. Sie wurden abgewiesen und können nicht arbeiten.

Partizipationsprojekt «Unsere Stimmen»

Zum Internationalen Tag der Migranten wollen 35 Geflüchtete mit dem Partizipationsprojekt «Unsere Stimmen» die Schweizer Öffentlichkeit auf die Lage der Abgewiesenen aufmerksam machen. Abdelhadi ist einer von ihnen. «Unsere Stimmen» hat 12 Empfehlungen für die Verbesserung des Umgangs mit abgewiesenen Asylsuchenden entworfen. Empfehlung 3 betrifft beispielsweise die sinnlosen Inhaftierungen und unbezahlbaren Geldbussen von 1‘000 Franken. Mit einem täglichen Budget von 8.50 Franken pro Tag sind diese Strafen unmenschlich. Können abgewiesene Geflüchtete das Geld nicht aufbringen, droht eine Freiheitsstrafe, was dem Staat jedoch deutlich höhere Kosten verursacht. Solche Geldbussen bringen nichts ausser Umtrieb und sollen nicht mehr gestellt werden.

Einführung eines Notausweises

Illegale Asylbewerber sollen unter anderem einen Notausweis bekommen. Dies schlägt die Eidgenössische Kommission für Migration vor. Tausende Asylsuchende leben trotz eines negativen Bescheids in der Schweiz, meist in Notunterkünften. In vielen Fällen können die Migranten nicht ausreisen, weil sie keinen Pass haben. Wenn sie in eine Kontrolle kommen, könne sie trotzdem gebüsst oder inhaftiert werden. Dies will die Kommission nun ändern und schlägt einen Notausweis vor. Ausserdem sollen die Asylbewerber, welche schon jahrelang Nothilfe beziehen, legal Arbeiten können.

Audiofiles

  1. Perspektivenlosigkeit für abgewiesene Asylbewerber. Audio: Tise Oetterli / Marco Zibung
Abdelhadi Abdallah ist vor 4.5 Jahren aus Eritrea in die Schweiz geflüchtet. In dieser Notunterkunft in Sarnen leben elf Asylsuchende.

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