Programmierer komponieren alle möglichen Melodien

Frei zugängliche Melodien für alle

Jede erdenkliche Melodie gibt es jetzt schon. (Symbolbild)

Programmierer und Musiker kommen zusammen, um das Copyright-Problem zu lösen. Dafür haben sie alle Melodien komponiert, die man sich vorstellen kann. Das könnte die aktuelle Gesetzeslage revolutionieren.

Die Klangwelt scheint unendlich zu sein. Nicht aber für einen Computer, der alle möglichen Ton-Kombinationen durchackert – bis schliesslich alle erdenklichen Melodien erklingen.

Die beiden US-Amerikaner Damien Riehl und Noah Rubin haben einen Algorithmus entwickelt, der mit den acht Tönen alle Kombinationen durchgeht und eine Länge von zwölf Noten spielt. 300'000 Melodien pro Sekunde haben sie so komponiert, erklärt Damien Riehl im Ted-Talk.

Copyright-Klagen eindämmen

Die beiden Programmierer haben die Kompositionen dann mit einem Copyrightstempel verewigt und freigegeben für die Öffentlichkeit. So wolle man verhindern, dass Urheberrechtsverletzungen vermehrt vor Gericht landen. Denn solche Klagen würden die kreative Freiheit aller Künstler rauben.

Musik als Mathematik

Damien Riehl und Noah Rubin haben bewusst die Melodien im MIDI-Format abgespeichert. In diesem Format ist die Musik lediglich eine Zahl.

Unter dem Urheberrechtsgesetz seien Zahlen nur Fakten und blosse Fakten hätten entweder nur wenig oder gar kein Copyright, sagt Riehl beim Vortrag. «Wenn diese Zahlen seit Anfang der Zeit existieren und wir sie nur zusammenstellen, dann sind Melodien vielleicht nur Mathematik, somit nur Fakten und nicht urheberrechtlich schützbar.»

Alle Melodien und der Code des Algorithmus sind bei Github und im Internet Archive abgelegt und frei verfügbar für alle.

Viel Lärm um «Nichts»

Wie absurd die Copyright-Gesetzeslage in der Musikbranche sein kann, zeigt das avantgardistische Stück «4'33''» von John Cage; dann nämlich, wenn Stille urheberrechtlich geschützt wird.

Als der britische Komponist Mike Batt das Lied namens «A One Minute Silence» veröffentlichte, verklagten John Cage's Verleger Batt wegen Plagiats. Viel Lärm um Nichts also – wie Frank Zappa in seinem Coversong parodiert.

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